Waldtag

„Schau mal!“ – „Riech mal!“ – „Hör mal!“ – „Mach mal!“ –

                                oder

               Mit allen Sinnen im Wald

 

„Achtung: Baum fällt!!“

Nein, es ist keine Kahlschlagaktion mit Motorsäge und Holzlaster, der wir hier im Wald beiwohnen, sondern hier sind Kinder unserer KiTa am Bauen mit allem Holz, das nicht niet- und nagelfest sitzt und das man so grade noch schleppen kann – wenn nicht alleine, dann mit „Allemann“.

Ein „Haus“ wird gebaut, das erfordert Kooperation und Achtsamkeit – und die Muskelkraft aller, die daran mitbauen. Nebenbei erfahren die Kinder eine Menge über physikalische Gesetzmäßigkeiten und Konstruktionsgrundsätze, denn so manche „Aufbauten“ halten nicht stand und müssen noch einmal neu überdacht werden. Auch sollte man seine Aktionen miteinander abstimmen und möglichst im Team durchführen, sonst ist Diskussionsbedarf – oder so etwas Ähnliches…

Unser Waldtag ist ein fester Bestandteil des Konzeptes unserer KiTa und wird von den 4-6jährigen Kindern, für die er angeboten wird, heiß geliebt:

Im Wald ist Platz ohne Ende und ausreichend Zeit für die Umsetzung eigener Ideen.

Die Umgebung strahlt Ruhe und Beständigkeit aus, und es wird gespielt, gespielt, gespielt.

Ganz nebenbei gibt es auch noch so viel zu entdecken: die Tier- und Pflanzenvielfalt, die Früchte des Waldes, die vielen Spuren, Geräusche und Gerüche lassen uns immer wieder aufs Neue staunen.

Und tatsächlich steckt in jedem Kind ein ganz individueller Forscher und Entdecker, denn jeder und jede hat eine ganz eigene Sicht auf die Welt, die uns umgibt. Wie schön!

Natürlich haben auch die unterschiedlichen Jahreszeiten im Wald ihren ganz eigenen Reiz.

Im Frühling begrüßt uns der Wald mit einer unfassbaren „Blumenüberschwemmung“.

Im heißen Sommer genießen wir das kühlende Blätterdach der großen Bäume.

Der Herbst erfreut uns mit den buntesten Farben und bietet uns die Möglichkeit zu tollen Blätter”schlachten”.

Regen – na und? Matsch und Schlamm üben nun einmal eine magische Anziehungskraft aus…

Schnee und Eiseskälte? – Das halten wir aus, denn der Wald ist wie verzaubert, ganz gewiss sind Feen unterwegs – und Hirsche im Rudel.

Wir finden die Stellen, wo die Rehe nachts geschlafen haben und den Platz, an dem das Eichhörnchen sein Picknick gemacht hat. Und kurz vor Weihnachten bereiten wir den Tieren eine kleine Feier und schenken ihnen einen Baum voller „Tiernaschi“ – Vogelfutter, Meisenknödel, Äpfel, Möhren und Nüsse. Im neuen Jahr schauen wir dann nach – tatsächlich, die Tiere haben ihren Gabenbaum entdeckt und geplündert!

Viel zu schnell ist Frühstückszeit und die Vorhaben müssen unterbrochen werden. Doch zum Frühstück besucht uns manchmal „Hörbe mit dem großen Hut“. Der großartige Otfried Preussler hat sich eine Geschichte erdacht, die wie geschaffen ist für eine Waldkindergruppe, denn sie regt uns an zum Hutzelmannshütten-Bau und zu Abenteuergängen in den „Siebengiebelwald“, immer auf der Hut vor dem „Plampatsch“ aus den „Worlitzer Wäldern“…

Auch das Waldtagende kommt immer viel zu früh. Schon heißt es wieder:

“ Alle Leut, alle Leut geh’n jetzt nach Haus…“

Aber, was für ein Glück: nächste Woche geht es ja wieder in den Wald.

Sybille Hagge